Ich hab mich vor dem Kauf sehr umfassend mit dem Thema Diebstahl rund um Kia beschäftig. Das ist ja mit ein Grund für die extrem hohen Versicherungsbeiträge, die wir aktuell zahlen. Weil da immer noch die extrem hohen Kosten durch Diebstähle von EV6 und Ioniq 5 bei den Versicherungen einfach erstmal auf unser Modell übernommen werden. Ich habe das Thema mal unter "Software" angelegt, weil einige Gegenmaßnahmen über die Software konfiguriert werden.
Ich stelle das hier zur Diskussion und sollte ich irgendwo falsch liegen oder es Ergänzungen geben, werde ich es hier im Hauptpost entsprechend editieren.
Es gibt im wesentlichen drei bekannte Angriffsvektoren bei Autos allgemein und Kia im speziellen. Diese sind:
1. Der Signal-Verlängerer (Relay-Attacke)
- Wie es funktioniert: Zwei Diebe arbeiten als Team. Der erste Dieb stellt sich mit einer Antenne an Ihre Haustür. Dort fängt er das Funksignal Ihres Schlüssels ab, der im Flur liegt. Dieses Signal funkt er per Antenne an Dieb Nummer zwei weiter, der direkt am Auto steht. Das Auto glaubt, Sie stehen daneben, sperrt auf und startet.
- Das Prinzip: Der echte Schlüssel wird einfach nur über eine weite Strecke „verlängert“.
- Der Schutz: Schlüssel weit weg von Türen/Fenstern ablegen oder in einer speziellen Metallbox (Faraday-Käfig) aufbewahren oder Keyless-Entry komplett deakivieren (Spiegel klappen nicht mehr automatisch auf bei Annäherung und Öffnen nicht mehr durch berühren des Griffs möglich).
Meine Einschätzung: Betrifft leider immer noch viel zu viele Hersteller, siehe auch die ADAC-Liste (öffnen und starten EV4 möglich) und auch der physische Smart-Key vom EV4 nutzt keine moderne Funktechnik (wie UWB) um das zu verhindern.
Quelle: https://www.adac.de/rund-ums-f…ch-ihr-fahrzeug-betroffen
2. Der Gameboy-Angriff (Emulator-Attacke)
- Wie es funktioniert: Ein Dieb steht ganz allein mit einem illegalen Spezialgerät am Auto. Er drückt auf den Türgriff. Das Auto fragt per Funk: „Ist mein Schlüssel da?“ Das Spezialgerät fängt diese Frage ab, knackt in Sekundenschnelle das mathematische Rätsel des Autos und antwortet: „Ja, ich bin dein Schlüssel.“ Das Auto glaubt dem Betrug und öffnet sich.
- Das Prinzip: Der Dieb kopiert oder errechnet den Schlüssel, ohne dass Ihr echter Schlüssel überhaupt in der Nähe sein muss.
- Der Schutz: Das Keyless-System im Auto (oder am Schlüssel) komplett ausschalten oder auf modernere Funktechnik (wie UWB) setzen.
Meine Einschätzung: Man muss hier aber auch echt mal sagen, wie dämlich kann kann sein, abgesehen von der extrem schwachen Verschlüsselung, sagt das Auto nicht: Ist hier irgendwer bitte melden, sondern schreit ständig. Ist der Schlüssel 123 in der Nähe, hallo willst Du mich öffnen und starten - und dann sagt jemand, ja hier ich bin der Schlüssel 123 (kicher) bitte öffne mal die Tür. Das ist zwar jetzt sehr reduziert ausgedrückt aber es trifft die Kernproblematik. Meinen Satz könnt ihr gerne auch durch eine KI gegenchecken, es ist furchtbar aber wahr. Jetzt ist die Frage, gilt das noch für den EV4? Ob das Prinzip jetzt das selbe geblieben ist oder nur die Verschlüsselung getauscht wurde - darüber gibt es widersprüchliche Angaben, da sollten wir noch mehr Quellen bemühen. Mein aktueller Stand ist wie folgt: Der physische Schlüssel hat nach wie vor _kein_ UWB, hat aber jetzt eine neue Verschlüsselung und einen Bewegungssensor, d.h. wenn er länger liegt schaltet er ab. Das würde aber eigentlich nur gegen Nr.1 helfen, bleibt also die "bessere" Verschlüsselung.
3. Der USB-Kabel-Trick (Der alte „Kia Boyz“-Trend)
- Wie es funktioniert: Das betrifft nur ältere Autos mit einem ganz normalen, mechanischen Zündschloss. Diebe schlagen die Scheibe ein, brechen die Plastikverkleidung unter dem Lenkrad ab und stecken die eckige Spitze eines ganz normalen USB-Kabels auf den freigelegten Zündschalter. Mit purer Kraft wird das Kabel wie ein Schlüssel gedreht.
- Das Prinzip: Rohe Gewalt bei Autos, die ab Werk keine elektronische Diebstahlsicherung (Wegfahrsperre) eingebaut hatten.
- Der Schutz: Bei modernen Autos (wie dem EV4) unmöglich, da es kein mechanisches Schloss mehr zum Drehen gibt.
Generelle Gedanken und Maßnahmen:
Das Problem ist, dass Autos sehr schnell auf einen Anhänger gefahren werden und verschwinden, Air-Tags helfen nichts weil schnell auffindbar, Kia-Verbindung zur App wird in der Regel sofort gelöst und Auto ist weg. Lenkradkralle kann kurzfristig helfen, aber wer will das schon. Ich hab überlegt, ob der "Valet-Modus" im EV4 hilfreich sein könnte. Man schaltet das Auto fest auf sehr spezifische Parameter (nicht mehr als x m fahren, nicht schneller als x km/h fahren). Eigentlich für den "Park-Service" gedacht. Der Valet-Mode ist codegesichert und verhindert auch Zugriff auf Dein Profil, d.h. keine Ansicht von persönlichen Einstellungen, Kontakten und auch kein Lösen der Verbindung zur Kia-App. Das werde ich auf jeden Fall mal als "milde" Alternative prüfen, wenn das Auto nicht bei mir zu Hause steht.
Was sind Eure Gedanken zu dem Thema und hat sich jemand vielleicht ebenfalls schon jemand intensiver mit dem Thema beschäftigt?