Warum nimmt man für den Winter GJR mit allen ihren Nachteilen, wenn man eh einen 2. Satz mit Sommerreifen für den Sommer fährt???
Ich habe mich ganz bewusst für den Weg entschieden: Sommerreifen im Sommer und Ganzjahresreifen (GJR) im Winter.
Warum? Hier kurz meine Beweggründe:
- Reale Straßenbedingungen im Winter:
Reine Winterreifen sind Ganzjahresreifen im Grunde nur noch auf Schnee und Eis überlegen – und selbst dort liegt der Unterschied bei guten aktuellen Modellen oft nur noch im einstelligen Prozentbereich. Sobald die Straße aber einfach nur nass oder trocken-kalt ist, dreht sich das Bild komplett: Hier bremst und fährt ein guter GJR spürbar präziser und mit kürzerem Bremsweg als der klassische, weich lamellierte Winterreifen.
Wenn ich mein Fahrprofil im Winterhalbjahr anschaue, fahre ich vielleicht wenige 100 km auf echter Schneedecke oder Eis, aber locker 6.000 bis 7.000 km auf kalter, nasser oder trockener Fahrbahn. Da möchte ich die maximale Sicherheit genau für die Bedingungen haben, die zu 95 % vorliegen.
- Effizienz & Verschleiß:
Gute GJR bieten im Schnitt einen geringeren Rollwiderstand als reine Winterreifen (was sich gerade beim E-Auto direkt in der Reichweite bemerkbar macht) und sind auf festem Asphalt meist auch verschleißfester.
- Warum dann nicht einfach das ganze Jahr GJR?
Ganzjahresreifen, die im Winter auf Schnee und Eis wirklich taugen, haben im Sommer einen entscheidenden Haken: Bei sommerlichen Temperaturen (vor allem ab 25 bis über 30 °C Asphalt- und Lufttemperatur) bauen sie im Vergleich zu einem echten Sommerreifen massiv ab. Die Gummimischung wird zu weich, das Einlenkverhalten schwammig und der Bremsweg aus Landstraßen- oder Autobahntempo verlängert sich teils dramatisch. Den Sommerreifen kann ein GJR bei echtem Sommerwetter schlicht nicht ersetzen.
Unter dem Strich ist diese Kombination für mich der sicherste und effizienteste Weg. Sollte es an den wenigen Tagen im Jahr doch mal zu extremen Wintereinbrüchen kommen, habe ich meist die Option, den Wagen stehenzulassen. Und wenn die Fahrt doch sein muss, passe ich das Tempo an und vergrößere den Abstand – die passive Sicherheitsmarge lässt sich in diesen seltenen Ausnahmefällen über den Gasfuß wesentlich einfacher ausgleichen als die Nachteile eines weichen Reifens im Sommer.